ZIMMERPFLANZEN EINST UND JETZT

By | Juni 11, 2017

Schon von alters her trachtet der Mensch danach, seine Wohnstatt mit lebenden Pflanzen zu verschönern. Ein besonders inniges Verhältnis zur Zimmerpflanze bildete sich in den Gebieten mit ausgeprägtem Wechsel der Jahreszeiten heraus. Hier wurde die Freude am Wachsen und Blühen auch während des Winters, wenn das Auge in Wald und Flur vergebens nach frischem Grün und bunten Blütenfarben sucht, zur ungern entbehrten Selbstverständlichkeit. In Wohnräumen wie in den Heimen der Kranken und Alten, in Büros, Läden und Werkhallen, Schulen, Sitzungssälen und Gaststätten möchten wir heute einen dem Zweck des Raumes sinnvoll angepaßten, dauerhaften Blumen- und Grünschmuck nicht missen. Die lebende Pflanze vermittelt uns Freude, Schönheit, Erholung, Anregung und Belehrung! Die Pflanzenkultur im Zimmer ist durchaus keine Errungenschaft der jüngsten Zeit. S^e hat auch bei uns eine bis ins frühe Mittelalter zurückreichende Geschichte. Die ersten zur Pflege im Zimmer aufgenommenen Gewächse mögen wohl als Arzneipflanzen gehalten worden sein. Daß man einigen dieser frühesten Zimmerpflanzen auch noch geheimnisvolle Kräfte zuschrieb, ist bei den abergläubischen mittelalterlichen Vorstellungen nicht verwunderlich.

Als erste Topfpflanze wurde im Mittelalter der aus den Küstenländern des Mittelmeeres stammende Garten-Rosmarin (Rosmarinus officinälis L.), der bei uns nur in wenigen Gegenden den Winter im Freien überdauert, am Zimmerfenster gehütet und mit besonderer Liebe gepflegt. Man glaubte, daß bereits seine „Anwesenheit gegen mancherlei Krankheit und Gebrechen, Pestilenz und Hexerei“ wirksam sei. So spielte der immergrüne Zwergstrauch auch im Brauchtum eine bedeutsame Rolle, und die Braut schmückte sich mit einem Kranz aus dem würzig duftenden Rosmarinlaub, ehe die Myrte bei uns heimisch wurde.

Doch im Mittelalter war der Rosmarin nicht mehr die einzige Zimmerpflanze. Als man im 15. Jahrhundert‘ die Garten-Nelke (Diänthus caryophyllus L.) aus Südeuropa nach Deutschland brachte, war bald in jedem Haus der „Nägeleinstock“ auf der Fensterbank zu finden.

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