Die Vermehrung

By | Juni 11, 2017

DIE VERMEHRUNG

Ein großer Teil unserer beliebten Zimmerpflanzen, wie z. B. Alpenveilchen, Cinerarien, Pantoffelblumen, Primeln usw., werden durch Aussäen von keimfähigen Samen herangezogen. Man bezeichnet die Aussaat als generative (geschlechtliche) Vermehrung.

Daneben spielt bei der Anzucht von Zimmerpflanzen aber auch die vegetative (ungeschlechtliche) Vermehrung eine bedeutsame Rolle. Dieses Verfahren wird in der Regel bei allen Arten angewandt, von denen Saatgut schwer oder gar nicht zu beschaffen ist oder deren Entwicklung von der Aussaat bis zur blühfähigen Topfblume oder dekorativen Blattpflanze einen längeren Zeitraum in Anspruch nimmt. Man vermehrt ferner alle Varietäten oder Sorten vegetativ, die aus Samen nicht wieder echt entstehen, d. h., die bei generativer Vermehrung den Eltern in ihren erwünschten

Eigenschaften nicht gleichen würden. Bei Blütenpflanzen, denen die Fähigkeit verlorenging, keimfähigen Samen zu erzeugen, wie dies z. B. bei einer Anzahl der gefüllt blühenden Sorten der Fall ist, sind wir völlig auf die vegetative Vermehrung angewiesen. Doch konnten viele Kultursorten, die man früher auf ungeschlechtlichem Wege vermehren mußte, da sie keine einheitliche, den Mutterpflanzen gleichende Nachkommenschaft lieferten, durch Züchtung zur Samenechtheit verbessert werden. Dies ist z. B. bei Hybriden der Buntnessel (Coleus blümei Benth.) und den Namenssorten der Kalanchoe (Kalanchoe blossfeldiäna v. Poelln.) oder des Usambaraveilchens (Saintpäfilia ionäntha Wendl.) der Fall.

Sind beide (vegetative und generative) Vermehrungsmöglichkeiten gegeben, dann wählt man die Vermehrungsmethode, mit der schneller und zuverlässiger ein bestimmtes Kulturziel erreicht wird. In den Gärtnereien bestimmen oftmals auch betriebswirtschaftliche Überlegungen die Entscheidung über die Wahl der einen oder anderen Methode. Für die Pflanzenanzucht im Zimmer wird im allgemeinen nur die vegetative Vermehrung in Betracht kommen. So kann man Gewächse mit unterirdischen, sich verzweigenden Stammteilen – wie sie z. B. Bogenhanf (SanseVieria), Schildblume (Aspi-distra) und viele andere schöne Blatt- und Blütenpflanzen aufweisen -beim Umtopfen durch Teilung vermehren. Eine Anzahl unserer Zimmerpflanzen bildet sogenannte Kindel (z. B. die Nebensprosse der Kakteen und Nebenrosetten der Bromelien), Tochterzwiebeln (z. B. Ritterstern) oder Brutpflänzchen (z. B. Brutblatt) und oberirdische Ausläufer (z. B. Schwertfarn), die – von der Mutterpflanze abgetrennt – schnell zu neuen, selbständigen Pflanzen heranwachsen.

Im Gartenbau wird die vegetative Vermehrung am meisten durch Stecklinge (fälschlich oft Ableger genannt) vorgenommen. Dies sind bestimmte, abgetrennte Teile, die, in feuchtes Substrat gesteckt, Wurzeln bilden. Je nach dem verwendeten Pflanzenteil unterscheiden wir bei der Stecklingsvermehrung Kopfstecklinge, Stammstecklinge, Blattstecklinge und Augenstecklinge. Kopfstecklinge sind Triebspitzen, denen man wenigstens 2 ausgebildete Blätter beläßt. Stammstecklinge gewinnt man, indem die Stämme (Sprosse) in etwa fingerlange Stücke zerlegt werden, wobei jedes Teilstück nur 1 Blatt aufweisen muß. Blattstecklinge sind ausgewachsene Blätter, die mit einem Stück Stiel geschnitten und gesteckt werden. Augenstecklinge bestehen schließlich aus einem gut entwickelten, schlafenden Auge (einer nicht ausgetriebenen Blattachselknospe), die man mit einem Stück Rinde ausschneidet und in das Substrat steckt. Durch Blattstecklinge werden z. B. Usambaraveilchen, Blattbegonien, Bogenhanf und viele Sukkulenten vermehrt, wobei bei einzelnen Bogenhanf- und Begonienarten sogar nur Teile eines Blattes verwendet werden.

Die letzteren Vermehrungsarten sind allerdings im Zimmer nicht möglich und bei einer Anzahl Pflanzen dürfte auch die Vermehrung durch Kopf-und Stammstecklinge außerhalb des Gewächshauses Schwierigkeiten bereiten. Nähere Angaben über die möglichen Vermehrungsverfahren und ihre Anwendung im Zimmer sind bei den beschriebenen Pflanzenarten unter der Rubrik „Anzucht“ zu ersehen.

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