Die Temperatur – DIE LEBENSANFORDERUNGEN DER ZIMMERPFLANZEN

By | Juni 11, 2017

Ebenso stark wie das Licht beeinflußt auch die Temperatur das Wachstum der Pflanzen. Diese beiden Umweltfaktoren stehen in engem Zusammenhang, denn beim Auftreffen auf Pflanzen oder andere Gegenstände wird ein Teil der Lichtstrahlen in Wärmestrahlen umgewandelt. Das übliche Fensterglas ist für die Lichtstrahlen gut durchlässig, wobei die umgewandelten Wärmestrahlen nur zum geringen Teil wieder ins Freie gelangen. Hierdurch tritt eine Erwärmung der Innenräume bei Sonnenbestrahlung ein. Diesen Vorgang kann man an jedem Zimmer- und Pflanzenfenster beobachten.

Eine wesentliche Voraussetzung für gutes Gedeihen unserer Zimmerpflanzen ist das sich ergänzende Zusammenwirken von Licht und Temperatur.

Im allgemeinen sollen die Temperaturen bei intensiver Lichteinwirkung um einige Grade höher liegen als bei geringer Lichtmenge. So muß man zur Winterszeit, wenn die Sonne nur wenig Licht spendet, die Pflanzen kühler halten als während der Sommermonate, in denen eine wesentlich größere Lichtmenge bei längerer Belichtungsdauer vorhanden ist. In Räumen, die in den lichtarmen Wintermonaten durch Heizung künstlich erwärmt werden, muß deshalb für einen möglichst hellen Stand der Zimmerpflanzen gesorgt sein. Fehlt ihnen bei zu hohen Temperaturen das nötige Licht, dann werden sie „geil“ und nehmen oft eine häßliche Gestalt an. Die Ansprüche der Pflanzen an die Temperaturen, die sie zum normalen Ablauf ihrer Lebensvorgänge benötigen, sind bei den verschiedenen Arten unterschiedlich. Jede Pflanzenalt beansprucht ein bestimmtes Temperaturbereich, das nicht über- oder unterschritten werden darf, da sonst Schädigungen eintreten. Die Kenntnis dieser untersten und obersten Temperaturgrenze ist für ihre sinnvolle Pflege von großer Bedeutung.

Im Gartenbau ist die Einteilung der Zierpflanzen nach ihrem Temperaturbedarf während der Anzucht in Pflanzen des „Kalthauses“ (8 bis 12 °C), des „temperierten Hauses“ (12 bis 18 °C) und des „Warmhauses“ (18 bis 25 °C) üblich. Diese Temperaturangaben entsprechen dem Temperaturoptimum, das in der Vegetationsperiode – also im Zustand höchster Wachstumsintensität – auf die Pflanzen einwirkt, damit sie sich entsprechend ihrem charakteristischen Wuchs und aller anderen artgemäßen Eigenschaften entwickeln können. Natürlich müssen dabei auch die anderen Wachstumsfaktoren optimal gestaltet werden.

Die Ansprüche der verschiedenartigen Pflanzen an die für Wachstum und Entwicklung benötigten Temperaturen sind in den Klimaverhältnissen ihres natürlichen, heimatlichen Standortes begründet. Gewächse, die aus tropischen Gebieten stammen, beanspruchen verständlicherweise im allgemeinen höhere Temperaturen als solche, die in der subtropischen oder gemäßigten Zone beheimatet sind. Viele unserer Zimmerpflanzen gedeihen jedoch erfahrungsgemäß auch bei geringeren oder höheren Temperaturen, als ihnen der natürliche Standort bietet. Sie wachsen dann allerdings nicht so üppig. Dies macht bisweilen eine Verwendung als Zimmerschmuck überhaupt erst möglich. Man denke nur an eine unserer beliebtesten Zimmerpflanzen, den Gummibaum (Ficus elästica Roxb.), der am natürlichen Standort in Ostindien eine Höhe von 20 bis 25 Metern erreicht! Doch größere plötzliche Temperaturschwankungen führen bei allen Zimmerpflanzen zu „Erkältungserkrankungen“. Außerdem darf die Temperatur nicht ein bestimmtes Minimum unterschreiten (bei einigen Pflanzen auch nicht ein Maximum überschreiten), da sonst der Tod eintritt. So werden z. B. einige tropische Pflanzen bereits durch Temperaturen unter +10 °C geschädigt. Der Wachstumsrhythmus der bei uns heimischen Pflanzen wird vor allem von den Temperaturverhältnissen bestimmt, die sich im Ablauf der Jahreszeiten verändern: Mit den im Frühjahr zunehmenden Temperaturen beginnen Samenkeimung, Knospenaustrieb und Blüte. Die Wärme während der Sommermonate fördert das Triebwachstum und führt zur Ausbildung von Samen und Früchten. Durch die im Herbst absinkenden Temperaturen läßt das Wachstum nach, und mit dem Ausreifen des Jahrestriebes oder anderer Überdauerungsorgane gehen die Pflanzen zur winterlichen Vegetationsruhe über.

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