Das Licht – DIE LEBENSANFORDERUNGEN DER ZIMMERPFLANZEN

By | Juni 11, 2017

Die unterschiedlichen Tageslichtansprüche der verschiedenen Pflanzenarten müssen bei der Aufstellung in unseren Räumen weitgehend berücksichtigt werden. Hierbei spielt die Lage des Fensters zur Himmelsrichtung eine bedeutsame Rolle, da die Sonneneinstrahlung an einem Südfenster im Sommer z. B. für die meisten Zimmerpflanzen zu intensiv, an einem Nordfenster im Winter hingegen für ein gesundes Wachstum der Pflanzen zu gering ist.

Während in den Tropen die Tageslängen ständig gleich sind, der Tropentag im Sommer wie im Winter 12 Stunden währt, bestehen bei uns in den verschiedenen Jahreszeiten beträchtliche Unterschiede in der Dauer der natürlichen Belichtung und auch in der Lichtintensität. So herrscht in Mitteleuropa am kürzesten Tag des Jahres nur 7 Stunden Helligkeit, während am längsten Tag zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang 17 Stunden liegen. Einer ausreichenden Belichtung während der lichtarmen Wintermonate kommt daher bei allen unseren Zimmerpflanzen besondere Bedeutung zu. Wir müssen deshalb versuchen, das von unseren Zimmerpflanzen zur Photosynthese benötigte Mindestmaß an Lichtenergie nach

Möglichkeit zu sichern. Dabei führt während der lichtarmen Monate (von November bis Februar) eine Zusatzbelichtung unter Verwendung von Leuchtstofflampen zu beachtlichen Erfolgen. Eine solche zusätzliche, künstliche Beleuchtung ersetzt nicht nur das fehlende Sonnenlicht und beeinflußt das Pflanzenwachstum positiv, sondern erhöht zugleich auch die Schmuckwirkung der Pflanzen, wenn die Installation in Harmonie mit der Inneneinrichtung des Raumes erfolgt.

Neben der Bedeutung einer ausreichenden Belichtung für die Assimilation hat die Dauer der täglichen Lichteinwirkung auch Einfluß auf die Blütenbildung vieler Pflanzenarten. Hierbei spielt der periodische Wechsel von Licht und Dunkelheit eine Rolle. Man bezeichnet die Abhängigkeit der Blütenbildung der Pflanzen von der Dauer der täglichen Lichteinwirkung als „Photoperiodismus“ (von phos, photos griech. = Licht und periodos griech. = regelmäßige Wiederkehr).

Je nach dem Verhalten der Pflanzen gegenüber verschiedenen Tageslängen unterscheidet man „Kurztagpflanzen“, die bei einer Tageslichtlänge von weniger als 12 Stunden zur Blüte kommen, und „Langtagpflanzen“, die bei einer täglichen Lichteinwirkung von mehr als 12 Stunden von der vegetativen zur generativen Phase übergehen. Die „tagneutralen Pflanzen“ sind von der periodischen Einwirkung von Licht und Dunkelheit unabhängig. Zu ihnen gehört ein sehr großer Teil unserer Zierpflanzen, wie z. B. auch die Becherprimel (Primula obcönica Hance). Kurztagpflanzen stammen meist aus tropischen Gebieten; sie gehen in unseren Klimaverhältnissen zum Blühen über, wenn die Tageslänge (in den Monaten November bis Februar) nicht mehr als 6 bis 10 Stunden beträgt. Hält man solche Pflanzen, wie z. B. Weihnachtskaktus, Christusdorn oder Kalanchoe, unter künstlichen Kurztagverhältnissen (Achtstundentag), indem man sie während der anderen Tagesstunden dunkel hält, dann kann man eine Vorverlegung der Blütezeit erreichen. Von dieser Möglichkeit wird z. B. bei der Kalanchoe, die in der Zeit von Februar bis April blüht, in der gärtnerischen Praxis oft Gebrauch gemacht. Will man die hübsche, in Madagaskar heimische sukkulente Pflanze bereits zu Weihnachten blühend haben, dann werden die im Frühjahr aus Samen oder Stecklingen angezogenen Topfgewächse in der Zeit vom 15. August bis zum 1. Oktober täglich von 16 Uhr bis zum nächsten Morgen 8 Uhr verdunkelt.

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